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Schweizer Kultur: vier Sprachen, Direktdemokratie und Alpbräuche

Redaktion · 18.06.2026

Die Schweiz hat vier Landessprachen — Deutsch (rund 62 Prozent), Französisch (23), Italienisch (8) und Romanisch (0,5) — und keine gemeinsame Sprache, in der sich alle unterhalten. Das erklärt mehr über das Land als jede andere Zahl.

Die Sprachen

Geschrieben wird Hochdeutsch, gesprochen wird Schweizerdeutsch, und das ist für Deutsche oft schwer verständlich. Es ist keine Mundart im Sinne eines Dialekts unter der Standardsprache, sondern die Alltagssprache aller Schichten. Romanisch überlebt in Graubünden mit etwa 40'000 Sprechern in fünf Idiomen.

Die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch heisst Röstigraben und verläuft mitten durch den Kanton Freiburg. In Biel, Fribourg und im Wallis sind Städte und Gemeinden offiziell zweisprachig.

Direktdemokratie

Viermal im Jahr stimmt die Schweiz ab — über Bundesvorlagen, Kantonsfragen und Gemeindesachen gleichzeitig. Mit 100'000 Unterschriften kann jede Gruppe eine Volksinitiative zur Verfassungsänderung erzwingen, mit 50'000 ein Referendum gegen ein Gesetz. Das Ergebnis ist ein System, das langsam entscheidet und Entscheidungen dann trägt.

Ein Präsident im üblichen Sinn existiert nicht: der Bundesrat besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern, und der Vorsitz wechselt jährlich. Kaum jemand im Land nennt den Namen ohne nachzudenken.

Bräuche, die Sie sehen können

  • Basler Fasnacht, Montag nach Aschermittwoch, Beginn um vier Uhr morgens mit dem Morgestraich: alle Lichter aus, nur bemalte Laternen, Piccolo und Trommel. Unesco-Kulturerbe
  • Alpabzug im September: die Herden kehren geschmückt ins Tal zurück, mit Treicheln und Sennentracht, in Appenzell und im Berner Oberland
  • 1. August, Nationalfeiertag, mit Höhenfeuern auf den Bergen
  • Schwingen, der Nationalsport: Ringen in Sägemehl mit Zwilchhosen. Das Eidgenössische findet alle drei Jahre statt und füllt Stadien mit 50'000 Menschen
  • Hornussen und Steinstossen als weitere Nationalsportarten, für Aussenstehende schwer erklärbar
  • Chalandamarz im Engadin am 1. März: Kinder treiben mit Glocken den Winter aus
  • Sechseläuten in Zürich im April, mit der Verbrennung des Böögg

Musik und Kunst

Jodel und Alphorn sind lebendige Praxis, nicht Museumsgut; der Jodel steht seit 2023 auf der Unesco-Liste. In der bildenden Kunst prägten Paul Klee (Zentrum Paul Klee in Bern), Alberto Giacometti und Ferdinand Hodler das zwanzigste Jahrhundert; die Architektur ist mit Le Corbusier, Herzog & de Meuron und Peter Zumthor international präsent. Und die Literatur mit Gotthelf, Frisch und Dürrenmatt.

Umgangsregeln

  • Pünktlichkeit ist nicht relativ. Fünf Minuten zu spät sind erklärungsbedürftig, beim Zug entscheidet die Sekunde
  • Man grüsst beim Betreten eines Ladens, eines Lifts, eines Wartezimmers — Grüezi, Bonjour, Buongiorno
  • Die Anrede bleibt beim Sie, bis das Du angeboten wird; unter Jüngeren geht es schneller
  • Ruhezeiten werden ernst genommen: nach 22 Uhr, am Sonntag ganztags, und in vielen Häusern gilt sonntags kein Waschen und kein Duschen nach zehn Uhr abends
  • Abfalltrennung ist Pflicht, in vielen Gemeinden nur mit gebührenpflichtigem Sack. Falsch entsorgter Abfall wird durchsucht und gebüsst
  • Man drängelt nicht, man stellt sich an, und man spricht im Zug leise
  • Trinkgeld ist im Preis inbegriffen; aufrunden reicht

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