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Die unbekannte Schweiz: zwölf Orte abseits der Route

Redaktion · 18.06.2026

Das Standardprogramm — Zürich, Luzern, Interlaken, Zermatt — bündelt die meisten Besucher auf wenigen Prozent der Landesfläche. Diese zwölf Orte sind erschlossen, mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar und meist fast leer.

Tessin und Misox

  • Val Bavona. Das steinigste Tal der Alpen, in dem es bis heute keinen Stromanschluss für die meisten Weiler gibt. Zwölf Terre genannte Siedlungen aus Granit, dazwischen Wasserfälle, die aus der Wand fallen.
  • Lavertezzo im Verzascatal. Die doppelbogige Steinbrücke Ponte dei Salti über smaragdgrünem Wasser. Kommen Sie früh; ab elf Uhr ist es voll, und das Wasser hat auch im August zwölf Grad.
  • Soglio im Bergell. Ein Dorf aus Stein über dem Talgrund, mit Blick auf die Sciora-Gruppe. Segantini nannte es die Schwelle des Paradieses; die Giacomettis stammen aus dem Tal.

Graubünden

  • Kloster St. Johann in Müstair, von Karl dem Grossen um 775 gegründet, mit den umfangreichsten karolingischen Fresken Europas. Unesco-Welterbe und praktisch ohne Besucher.
  • Val Fex und der Schweizerische Nationalpark: Steinböcke, Bartgeier und das strengste Schutzregime der Alpen — die Wege dürfen nicht verlassen werden.
  • Bergün und die Albulalinie mit ihren Kehrtunneln; im Winter wird die Passstrasse zur beleuchteten Schlittelbahn.

Jura und Westschweiz

  • Creux du Van, ein natürlicher Felskessel von 160 Metern Höhe und einem Kilometer Breite über dem Neuenburger Jura, mit Gämsen und Steinböcken. Ab Noiraigue zu Fuss in zwei Stunden.
  • La Chaux-de-Fonds und Le Locle, Unesco-Welterbe als planmässig angelegte Uhrmacherstädte; Le Corbusier wuchs hier auf.
  • Gruyères, autofreies Städtchen mit Burg, Käserei und — unerwartet — dem Museum von H. R. Giger, dem Schöpfer des Alien-Designs.

Zentral- und Ostschweiz

  • Braunwald, autofreies Dorf im Glarnerland, nur mit der Standseilbahn erreichbar, mit Blick auf den Tödi.
  • Stiftsbibliothek St. Gallen, Rokokosaal von 1767 mit 170'000 Bänden und Handschriften aus dem achten Jahrhundert. Man betritt sie in Filzpantoffeln.
  • Appenzeller Alpen mit dem Seealpsee und dem in die Felswand gebauten Gasthaus Aescher — bekannt vom Foto, im Gelände aber ein ruhiger Wandertag.

Und noch zwei, weil sie sich lohnen

Der Aletschwald mit Arven, die über tausend Jahre alt sind, oberhalb von Riederalp. Und der Morteratschgletscher mit seinem Lehrpfad, auf dem Tafeln markieren, wo das Eis in welchem Jahr endete — der Weg von der ersten Tafel zum heutigen Gletscherrand dauert eine halbe Stunde und erklärt den Klimawandel besser als jede Grafik.

Wie man hinkommt

  • Fast alles ist mit Postauto erreichbar, oft aber nur wenige Kurse pro Tag. Fahrplan vorher prüfen, letzte Rückfahrt notieren
  • In Val Bavona und Val Verzasca fahren im Sommer Busse ab Locarno; mit dem Auto sind die Parkplätze ab zehn Uhr voll
  • Übernachten Sie vor Ort statt anzureisen: in Müstair, Soglio und Braunwald beginnt der Reiz nach der letzten Rückfahrt
  • Nehmen Sie Bargeld mit. Alpbeizen und Selbstbedienungsstände arbeiten mit einer Kasse des Vertrauens

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